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Eine leichte, kontrastreiche, an vielen Stellen knapp erzählte Geschichte.
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Nach der Lektüre von drei weiteren Romanen von Katarina von Bredow, habe ich mir aus Neugierde das vorliegende, leider mittlerweile vergriffene Buch gebraucht bestellt. Ich bin keineswegs enttäuscht worden. Allerdings erreicht das psychologische Potenzial hier nicht ganz das Niveau etwa von "Ludvig meine Liebe" im dritten Teil oder von "Verliebt um drei Ecken".
Einer der Gründe hierfür ist möglicherweise, dass die Autorin in "Kaum erlaubt" keinen Ich-Erzähler einsetzt. Stattdessen wird die Handlung aus Sicht der Hauptperson in der dritten Person erzählt, was dazu führt, dass die Beschreibungen dem Leser teilweise weniger nah erscheinen.
Zudem sind die einzelnen Szenen durchwegs auffallend kurz; nach etwa drei bis vier Seiten findet meist schon ein örtlicher oder zeitlicher Sprung statt. Auf diese Weise gelingt es Katarina von Bredow in jedem Fall, ihrer Erzählung einen unbeschwerten, kurzweiligen, dennoch aber keineswegs oberflächlichen Charakter zu verleihen. Auch die Dichte der Handlung und Lebendigkeit der Figuren ist in diesem Roman spürbar, leidet aber insbesondere gegen Ende ein wenig unter der knappen Darstellungsweise.
Knapp. Dies ist genau das richtige Wort, um den Schluss des Romans zu beschreiben: Einerseits ist das Ende abgesehen von einigen Andeutungen weitgehend offen, andererseits hatte ich hier, jedoch teilweise auch schon an anderen Stellen zuvor das Gefühl, dass die Geschichte etwas zu distanziert erzählt wird. Mit Sicherheit ist dies aber kein Versehen der Autorin, da sie sich sonst wohl kaum gegen einen Ich-Erzähler entschieden hätte.
Somit empfinde ich den vorliegenden Roman in jedem Fall als stilistisch ausgereift und hochwertig, was neben den gelungenen Sprüngen zwischen den kurzen Szenen auch an dem intelligent aufgebauten Rahmen liegt. Denn Katarina von Bredow erzählt die Geschichte sowohl im Präsens als auch in der Vergangenheit und verknüpft die beiden Zeitebenen äußerst elegant.
Was die Story selbst betrifft, so erscheint interessant, dass bezüglich der Charaktereigenschaften der Figuren starke Kontraste vorliegen: So sind zunächst Hannas Mutter - eine psychisch instabile Schriftstellerin - und ihr Stiefvater - ein konventioneller Ingenieur - äußerst gegensätzlich. Gleiches gilt für Hannas Freundin Linn, die als aufsässig und leicht kriminell dargestellt wird, und Sara - der Außenseiterin aus dem Dorf. Besonders hier werden die Kontraste sehr gut modelliert und bestehende Konflikte in einer Szene des Zusammentreffens gegen Ende auf sehr geschickte, schöne Weise gelöst.
Den Kern des Plots bildet jedoch eine andere Problematik: Die Protagonistin verliebt sich nach ihrem Umzug aufs Land in einen deutlich älteren Bauern - eine Konstellation, die Katarina von Bredow in ähnlicher Weise auch in "Als ob nichts wäre" konstruiert, hier aber deutlich anders behandelt. Auch im vorliegenden Roman wird dieser Konflikt zumindest teilweise wirklich sensibel dargestellt; vergleicht man die Erzählweise jedoch mit anderen Werken der Autorin, so mangelt es einigen Stellen ein wenig an Tiefe.
Dennoch finde ich es bemerkenswert, dass es Katarina von Bredow erneut gelingt, mehrere Stränge miteinander zu verzahnen, ohne dass die Haupthandlung künstlich gestreckt erscheint. Stattdessen lässt sie einen vielschichtigen Roman entstehen, der zwar insgesamt weniger eindrucksvoll wie andere ihrer Werke erscheint, dennoch aber als unterhaltsame, intelligent aufgebaute Lektüre bezeichnet werden kann.
Eine Rezension von prin.temps > Baden-Württemberg
vom 16. Dezember 2007 | | |
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