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Eine einzigartig lebendige Geschichte.
• • • • • (bewertet mit 4 von 5 Punkten)
Katarina von Bredows Erzählstil ist genial. Das allerdings wusste ich bereits vor der Lektüre des vorliegenden Romans, der mich interessierte, nachdem ich bereits zwei Werke der schwedischen Autorin gelesen hatte. Und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. =)
Denn hinter dem übel gestalteten Cover - allein beim Betrachten der Schriftart wird mir schwarz vor Augen ;-) - steckt eine Erzählung, die psychologisch vielschichtig, sprachlich ausgereift und unvergleichbar authentisch, dicht und lebendig ist. Der Titel der deutschen Ausgabe drückt dies leider nicht aus, denn er lässt eher vermuten, dass es sich um eine seifige Teenie-Geschichte handelt. Der prall gefüllte Plot des Romans ist tatsächlich nicht allzu weit von der Soap entfernt: Die Autorin entwickelt für ihre Protagonistin eine in jeder Hinsicht sozial komplizierte Konfliktkonstellation rund um Familie, Freundschaft und Liebe, um diese am Schluss - in vielleicht etwas arg konstruierter Weise ;-) - aufzulösen.
Im Vordergrund steht aber meiner Ansicht nach Katarina von Bredows einzigartige Darbietungsweise, die aus der Handlung eine unterhaltsame Erzählung auf hohem qualitativen Niveau entstehen lässt. Denn bezüglich des doch etwas kompliziert aufgebauten Plots sind die einzelnen Stränge stets strukturell gut miteinander verwoben, wobei der Leser dennoch niemals etwa durch "Überflutung" mit neuen Charakteren den Überblick verliert... Hinzu kommt der in meinen Augen hervorragende Schreibstil, was ich im Folgenden an Hand von zwei Beispielen veranschaulichen möchte:
Bereits die erste Seite des Romans bildet einen äußerst vielversprechenden Einstieg. Dort steht zentriert in versartiger Form: "Manche Dinge sind ganz selbstverständlich. So selbstverständlich, dass man gar nicht über sie nachdenkt. Nicht, bevor man dazu gezwungen wird. So wie bei Adam und Frida." (S. 5)
Doch auch im weiteren Verlauf hält die Autorin das Niveau ihrer Ausdrucksweise: "Ich hätte mir gewünscht, nicht lügen zu müssen. Lügen heften sich an einen und lassen einen nie mehr los. Sie verschwinden nicht irgendwann in der großen Zeitmühle, wie eine verschwiegene Wahrheit. In der Zeitmühle wird nur das, was wirklich geschehen ist, zu feinem Staub zermahlen." (S. 220)
Durch ihren stilistisch souveränen, authentischen Erzählstil gelingt es Katarina von Bredow also, dem Leser die komplexen Entwicklungen auf den verschiedenen Ebenen der Handlungkonstruktion sehr nahe zu bringen. In manchen Passagen erzählt sie psychologisch derart geschickt, dass mich die im Text enthaltenen Emotionen tatsächlich erreicht haben, was selten vorkommt. Gleichzeitig ist ihr Text an einigen Stellen von Ironie geprägt, wodurch er einen leichten Charakter erhält, ohne dabei abzuflachen... Diese Unbeschwertheit wird darüber hinaus durch die Gliederung in kurze Kapitel unterstützt.
Der zugleich filigrane Stil zeigt sich auch in der Charakterisierung der Figuren, denn alle wesentlichen Personen des Romans werden äußerst klar und sensibel dargestellt. Die Autorin schafft es, ihnen eine wirklich bemerkenswerte Lebendigkeit und Präsenz zu verleihen.
So ist Katarina von Bredow insgesamt ein hochwertiger Roman gelungen (ein Lob aber auch an die Übersetzerin!), den ich für sehr empfehlenswert halte, wenn man Erzählungen mag, deren Reiz in erster Linie die Qualität der Darbietung ausmacht.
Eine Rezension von prin.temps > Baden-Württemberg
vom 18. November 2007 | | |
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